4638 km in den Süden

 
11August
2017

Leben in Ghana

 

Während die meisten Menschen in Deutschland bis um 11 Uhr morgens schlafen, wenn sie frei haben, sind fast alle Ghanaer, die ich kennengelernt habe, Frühaufsteher.

Spätestens wenn die Nachbarin um halb 7 Uhr morgens ihre Musik auf volle Lautstärke dreht und fröhlich mitsingt, wird man eigentlich wach.

 

Zur Zeit ist gerade Regenzeit. Ungefähr jeden dritten Tag schüttet es dann aus allen Wolken. Für mehrere ein Grund nicht zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. Zum einen sind die Straßen dann meist überflutet und zum anderen kann es bei Gewitter und Stürmen auch gefährlich werden, wenn man draußen unterwegs ist.

Die Farmer nutzen dann diese Zeit, um auf der lockeren nassen Erde zu pflanzen. Ein Feld zum Anbauen hat eigentlich jeder, egal ob Schuldirektor, Krankenschwester oder hauptberuflicher Bauer. Überall wo kein Fluss, keine Straße oder kein Haus ist, befindet sich ein Feld mit Mais, Reis, Erdnüssen oder Chilli.

Wo wir gerade beim Farmen sind, kommen wir auch zu einem der wichtigsten Themen in Ghana. Das Essen. Das besteht zwar eigentlich so gut wie immer aus Reis, Reispulver mit Wasser oder Reis- und Maispulver mit Wasser. Das kann mannchmal ganz schön einseitig werden, aber man gewöhnt sich dran.

Ich freue mich sogar inzwischen oft, wenn es einfach nur Reis mit Soße gibt oder einen Ball aus Maispulver und Wasser, genannt Banku.

Ich habe neulich ein Bild bei der Zubereitung von Banku bei meiner Gastfamilie im Dorf gemacht. Dort sieht die Zubereitung einfach aus, aber man braucht wirklich Kraft, um den Brei im Topf zu rühren.

Zubereitung von Banku (Maispulver und Wasser)

Ghanaische Frauen können übrigens den heißen Topf auf dem Feuer mit bloßen Händen anfassen, ohne sich zu verbrennen.

Essen ist Teil der Gastfreundschaft. Sobald man Besuch bekommt, bietet man ihm etwas zu trinken und eigentlich auch zu essen an. Hat man kein Essen im Haus, kann es auch sein, dass einige extra etwas kaufen gehen, damit sie Essen anbieten können.

Sogar die Großeltern oder Tanten der Waisenkinder stellen mir oft etwas zu Essen hin, wenn ich die Kinder besuche, um nach dem Rechten zu schauen, obwohl ich weiß, dass Essen bei ihnen knapp ist.

Nein“ sagen, wenn man Essen bekommt, sollte man aber nicht, denn das ist unhöflich.

Vom Tier wird alles gegessen, auch Innereien, Kopf, Krallen und kleine Knochen

Die letzten Samstage habe ich auf dem Dorf verbracht, weil dort einfach eine wunderschöne Gemeinschaft herrscht und ich mich immer wie Zuhause als ein Familienmitglied fühle.

 

(Falls ich das noch nicht erklärt habe: Ich wohne in Zebilla und unser Tutor kocht für uns, das war es dann aber auch. Hier sind Schule, Bücherei und Extra Classes.

Im Dorf sind nochmal Extra Classes, die ich einmal die Woche besuche. Hier wohnt mein Mentor Emmanuel mit seiner Familie.)

 

Sobald ich im Dorf ankomme, höre ich schon „Auntie Dora, Auntie Dora“ und die Kinder kommen, um mit mir zu spielen. Meine Namen hier reichen relativ weit von Dolo über Doris bis hin zu Dorothee. Wenn ich ins Haus komme, werde ich immer total herzlich begrüßt und meine Gastmama und ich gehen das typische „Begrüßungsritual“ auf Kusaal (lokale Sprache) durch. „Wie geht es dir? Wie ist Zebilla? Wie geht es Karla?“. Die Antwort ist zum Glück immer die Gleiche. „La somma“ bedeutet ungefähr „Alles ist stark“. Während ich hier Kusaal lerne, lernt sie Englisch.

Mit meiner Familie im Dorf, Gastschwester, Gastvater, Enkel und Gastmutter

Dann werden die Kinder losgeschickt, um mir einen Stuhl und Wasser zu holen. Wenn jemand zu Besuch kommt, sollte man ihm das immer anbieten, das wäre sonst unhöflich.

Hier gilt übrigens die Stellung „Alt vor Jung“. Wenn wer Älteres kommt, steht der Jüngere vom Stuhl auf, damit sich der Ältere setzten kann. Wenn irgendwer Wasser holen soll, wird das jüngste Mädchen losgeschickt (sobald es alt genug ist, um einen Eimer Wasser auf dem Kopf tragen zu können, also ab 6-7 Jahren ungefähr). Wenn das ältere Kind das Buch haben will, was das Jüngere gerade liest, dann gibt das jüngere Kind das Buch an die ältere Schwester oder den älteren Bruder.

Wenn es um Geschwister geht, haben die Kinder hier allerdings einen sehr starken Beschützerinstinkt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die älteren Geschwister ihre jüngeren Geschwister mit aufziehen. Es ist normal, dass sechsjährige Mädchen mit ihrer kleinen Schwester zur Schule kommen, weil sie auf diese aufpassen sollen.

Wenn eine Frau Mutter wird, wird dieses Kind also von so gut wie allen in der Familie aufgezogen. Die Geschwister, die Tante und die Großeltern des Babys kümmern sich alle mit um das Kind. Schließlich wohnen hier die meisten Familien auch gemeinsam in einem Haus, 30 Personen auf einem Hof können dann schon mal vorkommen. Zum Schlafen werden sich die Zimmer geteilt.

 

Grob kann man sagen, dass Frauen für das Kochen zuständig sind und Männer auf das Feld gehen.

Die letzten Tage wurden im Dorf gefarmt und ich durfte mithelfen, obwohl es ständig hieß, das wäre doch zu anstrengend für eine Frau. Weil Emmanuel Felder um sein ganzes Haus verteilt hat, helfen ihm dann die Männer aus der Nachbarschaft beim „Weeden“ (Unkraut entfernen). Seine Frau, seine Tochter und wer sonst noch alles Zeit hat, kochen dann für alle. Das Essen ist somit der Lohn für die Arbeit, die die Männer auf den Feldern machen.

Ich beim Weeden (Unkraut jäten)

Die Portionen, die ich dann bekomme, sind dann immer ungefähr doppelt so viel, wie ich eigentlich essen könnte, aber eines der größten Komplimente, die man hier seinem Koch machen kann, ist, dass man an Gewicht zunimmt.

 

Ich hatte jetzt fast ein Jahr die Möglichkeit (und es bleiben mir auch noch 1,5 Wochen), die Kultur hier zu erfahren und ich fühle mich hier sehr wohl. Natürlich sind alle Menschen anders und ich kann auch nur für das sprechen, was ich hier in Zebilla und vor allem im Dorf erlebt habe, aber eines kann ich sagen:

Gastfreundschaft ist hier ein wichtiges Thema. Egal, wo man hin muss oder was man vorhat, sobald ein Gast kommt, hat das andere zu warten. Vielleicht auch ein Grund, warum Ghanaer fast immer zu spät sind...

 

 

08August
2017

Unterricht in der Form 1

Mit meinen Schülern aus der Form 1 Form 1 im Klassenraum

Anlässlich des Büchereiprojektes habe ich in der einen Schule in der Form 1 und Form 2 (Klasse 7 und 8) drei Unterrichtsstunden zum Thema "Geschichten schreiben" gehalten. Jeder Schüler hat somit eine eigene Geschichte geschrieben. In Ghana ist es den Kindern eher unbekannt, selbst kreativ zu werden und etwas auszudenken, aber es waren echt einige schöne Ideen dabei.

Hier sind ein paar Bilder von uns.

26Juli
2017

Geburtstag in Ghana

 

Geburtstage sind den Menschen in Ghana bei weitem nicht so wichtig wie uns in Deutschland. Die meisten der Waisenkinder wissen ihren Geburtstag noch nicht mal. Wenn die Geburtsurkunde verloren ist, wird das Jahr geschätzt und das typische Datum, der 01.07. angegeben.

Da ich letzten Montag selbst Geburtstag hatte, habe ich überlegt, eine große Geburtstagsfeier mit allen Waisenkindern zu veranstalten. Somit haben wir den 22. Juli genutzt, um alle unsere Geburtstage zusammen zu feiern.

 

Zuerst waren ein paar Spiele auf dem Programm, um dann am Ende gemeinsam zu essen. Die Vorfreude der Kinder war auf jeden Fall groß, besonders weil diese Mahlzeit bei einigen die einzige an diesem Tag werden würde.

 

Als wir uns dann um 11 Uhr morgens treffen wollten, hat es leider angefangen, aus allen Wolken zu schütten. Wenn es regnet, bedeutet das für die Bauern, dass sie auf das Feld gehen, um zu pflanzen oder zu ernten, denn dann ist die Erde schön locker.

Das führte dazu, dass mehrere Kinder von ihren Eltern erstmal auf das Feld geschickt wurden anstatt ihren Geburtstag feiern zu können.

Also habe ich mit den ersten Kindern angefangen, in unserem Büchereiraum Spiele wie Obstsalat, Reise nach Jerusalem oder Dosenwerfen zu spielen. Durch den Regen war ich also gezwungen, alle Spiele drinnen zu veranstalten. Zum Glück haben wir hier relativ viele Gesellschaftsspiele, die wir sehr gut nutzen konnten.

Wegen des Regens kam unsere Köchin auch später, denn normalerweise geht kein Ghanaer aus dem Haus, wenn es regnet (außer zum Farmen).

Gegen späten Nachmittag war der Reis dann fertig gekocht und wir alle konnten gemeinsam essen. Davon habe ich aber keine Bilder gemacht, mein Appetit war einfach zu groß.

Bis zum Essen waren dann auch fast alle Zuspätkommer eingetrudelt, die vorher noch auf dem Feld arbeiten mussten.

 

Obwohl wir wegen dem Regen nur auf einen kleinen Raum eingeschränkt waren, hatten wir, denke ich, alle einen schönen Tag und ich habe es geschafft, zwanzig Kinder für fast fünf Stunden zu beschäftigen, bis das Essen dann fertig war.

Wenn eine Weiße etwas veransteltet, spricht sich das natürlich rum, sodass zwischenzeitig ständig Kinder vorbeikamen, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Irgendwann haben wir dann einfach einen Tisch vor die Tür gestellt, der Raum wäre sonst viel zu klein geworden.

 

Nach dem Essen ging es für alle ziemlich bald nach Hause, da einige einen ziemlich langen Weg haben und es hier schon sehr früh dunkel wird. 

 

Gefeiert habe ich meinen Geburtstag hier übrigens drei Mal.

Am Montag haben meine Nachbarn hier im Haus und ich gemeinsam Kuchen gegessen (ja, wir haben hier einen Backofen -  so eine Blechbox, die man auf das Feuer stellt), Bilder angeschaut, uns unterhalten und auch getanzt. 

Am Mittwoch habe ich mit der Familie auf dem Dorf, wo auch Extra Classes stattfinden, gemeinsam Nudelsalat und Pfannkuchen gegessen, was sie beides auch noch nicht kannten. Meine Gastmama dort, die eigentlich fast gar kein Englisch spricht, hat sogar extra noch Happy Birthday für mich gesungen. 

Und Samstag war dann die Party mit allen Waisenkindern aus Zebilla.

 

Dosenwerfen Obstsalat Reise nach Jerusalem Reise nach Jerusalem Eierlauf

 

07Juni
2017

Tische und Stühle für die Bücherei?

  Gemeinsames Lesen in unserer neuen Bücherei

Innerhalb der letzten zwei Wochen hat sich das Büchereiprojekt rasant entwickelt.

Die ersten Kinder leihen die Bücher schon aus, um sie zuhause zu lesen. Das hat wunderbar geklappt, alle Kinder haben ihre Bücher pünktlich nach einer Woche unversehrt wiedergebracht.

 

Der leerstehende Raum der Schule, der für die Bücherei renoviert werden sollte, ist inzwischen fertig. Die neue Tür ist eingesetzt und die Fenster lassen sich wieder schließen. Damit gibt es nun einen eigenen Raum, nur zum Lesen, in dem alle Bücher gelagert sind. Man könnte somit auch eventuell die Anzahl der Treffen pro Woche erhöhen.

 

Nächsten Montag werden dann wieder die Kinder kommen, um die eine Stunde, in der wir uns treffen, ein Buch zu lesen. Obwohl einige am Ende sowieso ein Buch mitnehmen können, setzen sie sich trotzdem diese eine Stunde ganz in Ruhe hin, um durch die Bücher zu stöbern.

 

Der erste Schritt ist nun getan, der Raum steht.

Für den zweiten Schritt brauche ich aber eure Hilfe.

Ich konnte den Raum und die Bücher vom Spendenüberschuss finanzieren, aber für Tische und Stühle/Bänke ist kein Geld mehr da.

Es macht die Atmosphäre einfach gemütlicher, wenn die Kinder nicht auf dem Boden lesen müssten.

(Die Bilder vom letzten Blogeintrag sind noch in dem einen Klassenraum der Schule, deswegen sitzten sie dort noch auf Stühlen, wir wollen aber jetzt in den eigenen Raum umziehen)

 

Ich weiß, dass ihr mich alle schon tatkräftig unterstützt und dafür bin ich auch sehr dankbar, aber was jetzt noch fehlt, sind die Möbel.

Ein Stuhl oder ein Tisch kostet jeweils 5€ und da frage ich nun euch, ob der eine oder andere bereit wäre, einen Stuhl oder ein Tisch zu finanzieren. Somit könnten wir gemeinsam eine Bücherei in Zebilla aufbauen.

Eine Bücherei, in der Kinder die Möglichkeit haben, in Ruhe lesen zu können und ein Ort, zu dem Kinder gerne kommen, um zu lernen.

 

Das Konto, auf welches Spenden für Tische oder Stühle überwiesen werden können, ist bei mir per E-Mail zu erfragen.

dorothea.steckhan<at>gmail.com

 

Wenn ihr sonst noch irgendwelche Fragen habt oder generell etwas wissen möchtet, könnt ihr mich über diese Adresse auch jederzeit kontaktieren.

Danke an alle!

 

02Juni
2017

Let's read - Büchereiprojekt in Zebilla

 

Wie viele Bücher hast du schon in deinem Leben gelesen?

Diese Frage kann wahrscheinlich keiner, der über 10 Jahre alt ist, genau beantworten.

 

Für uns sind Bücher nichts besonderes, aber diese eine Möglichkeit, die wir in Deutschland haben, ist nicht überall auf der Welt selbstverständlich.

Die meisten Kinder hier in Zebilla, und ich meine nicht nur die Waisenkinder, haben noch nie ein Storybook gelesen. Zum einen sind Bücher für einige Kinder zu teuer und zum anderen kann man fast nirgendwo in Ghana Bücher kaufen. Selbst in Großstädten muss man suchen, bis man Bücher zum Lesen findet.

 

Da ich durch die vielen Spenden, die ich bekommen habe (Danke nochmal an alle!) sogar mehr Spenden sammeln konnte, als erwartet, habe ich mich mit Absprache der Organisation dazu entschlossen, den Spendenüberschuss in eine Bücherei zu investieren.

Ich möchte damit den Kindern die Möglichkeit geben, durch regelmäßiges Üben, ihr Leseverständnis und ihr Schreiben zu bessern.

 

Angefangen habe ich also mit fünf Büchern, die ich in der nächsten Großstadt gefunden habe. Jeden Montag Nachmittag kam ich in die Schule, um dort gemeinsam mit drei bis vier Schülern zu lesen. Nach und nach wurden die Bücher immer mehr und ich kaufte so gut wie alle Bücher, die ich finden konnte.

Aus den vier Kindern wurden nach und nach dreißig Kinder, die letzten Montag vor der Schule standen.

 

Innerhalb dieser vielleicht ein bis zwei Monate sehe ich bei den ersten Kindern schon Fortschritte.

Während am Anfang alle Kinder noch laut vor sich her lasen, wie es bei Leseanfängern eigentlich eher der Fall ist, sind einige inzwischen zu „stillen“ Lesern geworden. Auch die Fragen an mich nach einzelnen Wörtern werden immer weniger. Es ist eine wunderschöne Atmosphäre, in einem Klassenraum zu sitzen, während die unterschiedlichsten Menschen konzentriert Wörter vor sich hin murmeln.

Wow, this are nice books. I want to read them all.“ Mit diesen Worten kam neulich eine Siebtklässlerin auf mich zu. Die Begeisterung der Kinder ist unbezahlbar.

Inzwischen habe ich mir ein paar englische Bücher aus Deutschland schicken lassen, hier kann man einfach kaum gute Bücher finden, und die Buchanzahl liegt bereits bei 77 Büchern. Seit letztem Montag habe ich dann anfangen, die Bücher an die Kinder auszuleihen, damit sie zuhause lesen können, wenn sie Zeit haben. Das betrifft besonders die Kinder, die nachmittags ihren Eltern auf dem Feld helfen oder Wasser holen müssen.

 

In der Schule, wo ich bereits die Extra Classes mache, ist ein gesamtes Gebäude frei, wo ich einen Raum renovieren und für meine Bücherei benutzen darf. Damit muss ich die Bücher nicht immer hin und her schleppen und es gibt einen festen Raum zum Lesen am Nachmittag. 

 

Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird, so viel Zeit bis August bleibt mir hier in Zebilla ja leider nicht mehr. Der Kopf der Organisation, Daniel Ayembilla, sieht auf jeden Fall großes Potential. Er hofft, dass wir nach und nach auch immer mehr wissenschaftliche Bücher anschaffen können. Die einzige Bücherei, die richtige Bücher zum Studieren besitzt, befindet sich nämlich in der Hauptstadt Accra im Süden. Damit würden für die Menschen im Norden also viele Fahrtkosten erstattet werden. Aber bis dahin sind auf jeden Fall noch viele Schritte und Wochen nötig.

 

Ich halte euch auf dem Laufenden!

 

 

23Mai
2017

Der Süden Ghanas - Kurzer Reisebericht

 

Accra is Ghana and Zebilla is Burkina.“ So heißt es hier zumindest.

Burkina Faso ist das Nachbarland Ghanas in Richtung Norden und wirklich nur sieben Kilometer von Zebilla entfernt.

 

In den Osterferien zwischen dem zweiten und dritten Schulterm haben sich also meine Mitfreiwillige Karla und ich auf den Weg „nach Ghana“ gemacht.

Wir verließen also die trockene und heiße Landschaft hier oben und landeten schließlich in Cape Coast am Meer. Das erste, was uns dort auffiel, waren die vielen grünen Bäume und die kühle feuchte Luft. Während es seit 6 Monaten in Zebilla nicht mehr geregnet hatte, hatte die Regenzeit im Süden schon länger begonnen.

Ich füge mal ein Bild der Landschaft in Zebilla und der Landschaft im Süden ein, welches welches ist, kann man denke ich, erkennen.

Landschaft in Zebilla Landschaft im Süden

Cape Coast ist eine sehr touristische Stadt. Es war wirklich komisch, wieder so viele weiße Menschen auf einem Haufen zu sehen, wenn man normalerweise die einzige in der Umgebung ist.

Dem entsprechend konnte man auch so gut wie alles an Essen, was ich seit einem halben Jahr nur noch auf Bildern betrachtet habe, bekommen. Meine erste Reis-freie Woche seit langem.

 

In Cape Coast konnten wir eine ehemalige Sklavenburg besichtigen. Bis zu 100 Leute mussten in einem Raum, der vielleicht 20 Quadratmeter groß war, verweilen, bis sie dann nach Amerika verschifft wurden. Die Sklavenburg steht noch, davor befindet sich inzwischen ein Hafen mit Fischerbooten. Diese rudern jede Nacht aufs Meer hinaus, um die Netze auszuwerfen. Am frühen Morgen kommen sie dann wieder zurück an Land.

Sklavenburg Cape Coast Fischerhafen Cape Coast

In der Nähe von Cape Coast gibt es einen Regenwald. Eine ganz andere Seite als die Steppe bei uns im Norden. Auf Hängebrücken, die bis zu 60 Meter hoch sind, kann man über dem Regenwald spazieren gehen. Geregnet hat es an dem Tag aber leider nicht.

 

Nach dem Besuch in Cape Coast ging es für Karla und mich weiter nach Busua, eine weitere, aber kleinere Stadt am Meer. Dort haben wir uns mit drei anderen Freiwilligen von der Organisation getroffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Die Wellen des Atlantischen Ozeans sind zwar zu groß, um richtig schwimmen zu können, aber perfekt, um Surfen zu lernen. Das war auf jeden Fall ein Highlight meiner Reise!

In der Nähe von Busua gibt es die Kleinstadt Princes Town, die ich mit zwei weiteren Freiwilligen besucht habe. Dort konnte man mit einem Führer eine 10 km Wanderung bis zu einem Leuchtturm an der südlichsten Stelle Ghanas machen. Da der Mann, der diese Touren eigentlich führt, aber unglaublich hohe Preise, wahrscheinlich weil wir weiß waren, verlangt hat, dachten wir drei uns, wir suchen uns jemanden, der uns durch den Wald führt. 

Also fanden wir zuerst einen kleinen Jungen, der uns den ersten Kilometer geführt hat. Dann musste er aber zurück nach Hause, weil es Mittagessen gab. Weil Touristen, die alleine durch den Wald gehen, aber öfters mal überfallen werden, haben wir den nächstbesten Mann gefragt, den wir getroffen haben, ob er uns für etwas Geld zum Leuchtturm führt. Er hat eingewilligt und ist somit den nächsten Teil mit uns zusammen gelaufen, bis wir in ein kleines Dorf kamen. Dort wurden wir von zwei Frauen aufgehalten, die uns rieten, einen anderen Führer zu suchen. Der Mann war wohl betrunken und hätte uns im Notfall nicht verteidigen können. Somit wurde uns also ein dritter Führer besorgt, der uns die restliche Strecke in einem echt flotten Schritt bis zum Leuchtturm begleitet hat.

Der lange Marsch hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, wir sind mitten durch das Gebüsch gelaufen, teilweise mit echt schöner Aussicht aufs Meer. Lediglich die Fahrt vom Leuchtturm zurück nach Busua war etwas teuer, da das lezte Auto bereits gefahren ist und die beiden Jungs und ich extra einen Bus für uns alleine bestellen mussten, um wieder weg zu kommen. Aber immerhin hatten wir einen lustigen Ausflug und die Aussicht war echt traumhaft.

Aussicht vom Leuchtturm

Unsere vorletzte Station war dann Kumasi, wo wir aber nur zwei Tage blieben. Kumasi ist die zweitgrößte Stadt Ghanas und somit auch voller Menschen, die sich durch die Straßen drängen, während Taxis hupend versuchen, voranzukommen.

Spätestens auf dem riesigen Markt merkt man dann, wie viele Menschen auf einen Fleck passen können. Auf dem größten Markt Ghanas kann man wirklich alles bekommen, von Obst und Gemüse über Fisch und Fleisch bis hin zu Haushaltswaren und Stoffen.

Obwohl wir mehrere Stunden über den Markt gelaufen sind, haben wir es nicht geschafft, alles zu erkunden. Er ist einfach zu riesig.

Markt in Kumasi - Stoffgasse Kumasi Innenstadt

Danach ging es wieder zurück in den Norden. Die schönen gepflasterten Straßen, die im Süden normal waren, wurden nun wieder durch die Sandstraßen mit Schlaglöchern abgelöst.

In der Nähe der Großstadt Wa gibt es einen Fluss mit Flusspferden, den wir besuchen wollten. Wir konnten aus unserem Kanu zwar nur die Ohren und Nasen der Tiere sehen, aber es war trotzdem ein schönes Erlebnis. Nilpferde sollen übrigens eine der gefährlichsten Tiere Afrikas sein, denn sie können bis zu 40 km/h schnell laufen und durch ihre große Masse sehr gefährlich für den Menschen werden, wenn er ihnen zu nah kommt.

Flusspferde

Nach insgesamt fast 3 Wochen ging es wieder zurück ins heiße und trockene Zebilla. Eigentlich war eine so lange Reise gar nicht geplant, aber irgendwie haben wir im Urlaubsfieber total die Zeit vergessen. Mit ca. 5 Euro pro Nacht sind die Hotels im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen nun mal auch echt billig. Ich muss schon sagen, dass ich mich besonders gegen Ende der Reise wieder nach unserem Zuhause hier und besonders nach den Kindern, mit denen ich arbeite, gesehnt habe, jetzt habe ich sie aber ja alle wieder!

 

Als Transportmittel nutzt man meist übrigens Trootroos. Das sind Sprinter, ich habe auch schon ein paar mit deutscher Aufschrift gefunden, in die schmale Sitze so eng wie möglich eingebaut wurden. Unser Rekord an Menschen in so einem Sprinter liegt inzwischen bei 28 Personen, dann kann man sich aber auch wirklich so gut wie gar nicht bewegen.

Für längere Strecken, so ab 7-10 Stunden, kann man auch mit Bussen fahren. Wenn man nicht gerade einen VIP-Bus mit gepolsterten Sitzen bucht, fährt man dann in Bussen mit, die in etwa so wie Stadtbusse ausgerüstet sind.

Unsere Reise in den Süden war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis und ich konnte echt viel mitnehmen. Unter anderem auch blonde Strähnen, die ich dort durch die knallende Sonne bekommen habe. 

Trotzdem ist mir der Norden immer noch lieber. Ich habe das Gefühl, dass die Leute hier einfach viel herzlicher und freundlicher sind. Abgesehen davon sind wir ja auch hier zuhause - und zuhause ist es bekanntlich immer am schönsten!

 

13April
2017

Mein Tag in Zebilla

 

7.30 Uhr morgens. Mein Wecker klingelt, draußen hört man Motorräder fahren, Perlhühner schreien und ich weiß, es ist Zeit zum Aufstehen.

Montags, donnerstags und freitags geht es dann für mich in die Grundschule, bzw. den Kindergarten, morgens. Mittwochs, und neuerdings auch dienstags, habe ich von dem Kindergarten frei und somit die Möglichkeit, an den staatlichen Schulen in älteren Klassen zu unterrichten. Eine ganz andere Sache, die mir auch etwas mehr Spaß macht.

 

Im Kindergarten unterrichten meine Mitfreiwillige Karla und ich die älteste Klasse dort, die Kinder sind damit im Alter von 4-5 Jahren. Da es nur fünf Kinder sind, haben wir, wenn wir zu zweit sind, gute Möglichkeiten, die Kinder ganz individuell zu fördern. Es ist echt erstaunlich zu sehen, was die Fünf für ihr Alter schon können. Wir versuchen, ganz anders, als es in den meisten Schulen hier üblich ist, die Kreativität und das selbstständige Denken zu fördern, anstatt nur das Abschreiben und Nachsprechen zu trainieren.

In der Schule morgens bleibe ich so bis 14.00 oder 14.30 Uhr.

Matheunterricht in der Nursery Basteln in der Nursery

Jeden dritten Tag haben wir hier Markttag, dann gehe ich meist gleich nach der Schule auf den Markt, um alles, was wir noch brauchen, zu besorgen. An diesen Tagen tummelt sich alles auf den Straßen, die ohnehin schon große Einwohnerzahl von Zebilla hat sich dann gefühlt verdoppelt.

Hier findet man dann Stand an Stand mit Mais, Reis, Obst und Gemüse oder Second-Hand-Klamotten. Zurzeit werden die Mangos reif, die bekommt man an jeder Ecke für 25 Cent pro 5 Stück. Sonst wird leider auch sehr viel Obst, was hier angebaut wird, exportiert, sodass man in einer kleinen Stadt wie Zebilla schon Glück haben muss, wenn man anderes Obst wie Ananas oder Bananen haben möchte.

Auf dem Markt müssen auch viele Kinder für ihre Eltern verkaufen, sodass ich dann eigentlich immer irgendeine meiner Schülerinnen treffe, die mich jedes Mal ganz lieb grüßen und mir Madam Doro hinterherrufen. Wenn ich nicht meinen Namen höre, höre ich „Nassala“. Nassala bedeutet Weiße und ist ebenfalls die Vokabel, die ich zuerst auf Kusaal gelernt habe. Sie wird mir schließlich auch alle paar Minuten nachgerufen.

 

Jede Weiße sieht übrigens aus wie eine Chinesin, weswegen mir schon öfter Chinagirl hinterhergerufen oder ich gefragt wurde, ob ich chinesische Münzen kenne. Das Bild, dass alle weißen Menschen viel Geld übrig haben, ist hier unter vielen Menschen noch stark verbreitet. Zu Dingen, wie „Nassala give me money“ oder „Nassala I want ball“ wurde ich schon öfter aufgefordert.

Des Weiteren bin ich heiß begehrt. Zumindest habe ich hier inzwischen schon mehr Heiratsanträge bekommen als ich Schuhe besitze. Das läuft dann nach einem ganz bestimmten Muster ab. Zuerst fragen sie, wie es mir geht. Dann fragen sie nach meinen Namen und ich muss erklären, dass „Doro“ wirklich mein Name ist und ich nicht wie das Land „Togo“ heiße. Danach fragen sie, ob wir nicht Freunde werden könnten und erklären, dass Gott uns gerade zusammengeführt hätte und ich ihnen deswegen meine Nummer geben sollte, damit wir uns kennenlernen können und ich mich dann in sie verliebe. Das ist natürlich jetzt etwas übertrieben und verallgemeinert dargestellt und einige wollen mich damit auch einfach nur in ein Gespräch verwickeln, aber es erhoffen sich wirklich mehrere Leute, dass sie durch mich irgendwie nach Deutschland kommen können. Bis jetzt habe ich aber noch keinen Antrag angenommen, schließlich wurde mir auch noch kein Ring angeboten und mit zwei Kühen als Brautpreis gebe ich mich nicht zufrieden. (Den Brautpreis gibt es übrigens wirklich, der wird vor der Hochzeit vom Ehemann bei den Eltern der Braut abgegeben. Bei dieser „Knocking Ceremony“ werden Schafe, Hühner oder Kühe verschenkt und gegessen, je nach Vermögen des Bräutigams.)

 

Um 16.00 Uhr fangen dann meine Extra Classes an, ich bin aber eigentlich immer schon früher da, um mit Ihnen Fußball zu spielen oder Springseil zu springen. Danach beginnen wir mit dem Unterricht, hauptsächlich Mathe, etwas Englisch und manchmal auch Science, wie kleine Chemieversuche, Tageszeiten oder Erdkunde.

Inzwischen habe ich meine Kinder echt ins Herz geschlossen und es ist toll zu sehen, was für Fortschritte sie machen, wenn man sich Zeit für sie nimmt.

In den drei Stunden pro Woche habe ich zwar nicht die Möglichkeit, alles aufzuholen, was in der Schule eigentlich gelernt werden müsste, aber wir erreichen kleine Erfolge. Wenn ich sehe, wie schlau die Kinder eigentlich sind, finde ich es traurig, zu wissen, dass sie durch das Schulsystem mit viel zu großen Klassen trotzdem eher schlecht abschneiden. Die Examergebnisse der meisten Klassen, bei denen ich Einsicht hatte, waren im Gesamten unterdurchschnittlich. Zu wenig Lehrer, die auch öfters gar nicht da sind und ein Lehrplan, der nur wenig Zeit für ein Thema lässt, können Gründe sein. Da können wir uns in Deutschland glücklich schätzen, eine so gute Bildung umsonst ermöglicht zu bekommen.

Lieder lernen bei den Extra Classes auf de Dorf  Umgang mit dem Maßband 

Wenn ich meine beiden freien Tage von der Grundschule morgens habe, kümmere ich mich darum, dass die Schulgebühren für die Waisenkinder in ihren Schulen bezahlt werden. Da fahre ich dann von Schule zu Schule, um die sogenannten School und Exam Fees zu bezahlen. Alleine die lustigen Gespräche mit den Lehrern dort können die teilweise langen Wege, die ich mit dem Fahrrad zurücklegen muss, ausgleichen. Der eine war neulich total verblüfft darüber, dass Lehrer in Deutschland mehr Geld verdienen als Krankenschwestern und dass ein Lehrer nicht alle Fächer, sondern nur bestimmte studieren und dann auch unterrichten muss.

 

Mittwochs leite ich dann auch noch je eine Mathestunde in der fünften und vierten Klasse.

Mit 60 Schülern pro Klasse ist es wirklich nicht einfach, alle unter Kontrolle zu halten, damit jeder den Unterrichtsstoff verfolgen kann. Viele Lehrer schaffen sich den nötigen Respekt durch den Schlagstock und es scheint mir teilweise echt so, als würden einige Kinder bei Ermahnungen nur darauf warten, dass geschlagen wird.

Obwohl die Unterrichtsstunden nicht einfach sind, machen sie mir wirklich Spaß. Immer wenn ich zu der einen Grundschule fahre, wo ich die vierte Klasse unterrichte, kommen die Kinder fröhlich auf mich zu gerannt, tragen meinen Rucksack in den Klassenraum und wischen schon mal die Tafel, damit wir anfangen können. Mit so einer großen Klasse bin ich zwar mit den Möglichkeiten etwas eingeschränkt, Mathespiele sind eher schwierig, aber der Großteil der Kinder ist bei allen Aufgaben begeistert, die ich ihnen gebe, auch wenn es nur an der Tafel ist.

In der fünften Klasse der anderen Schule ist es etwas einfacher, denn dort liegt die Anzahl bei nur etwa 45 Kindern. Schulmethoden, wie Gruppen-, Partner- oder Stationsarbeit, die für uns ganz normal sind, habe ich hier noch nie in Anwendung gesehen. Anfangs waren sie auch eine ganz schöne Überforderung für die Kinder. Aber es ist umso schöner, wenn ich sehe, wie viel Spaß die Kinder beim Lernen haben können, wenn sie nicht nur einfach dem Lehrer nachsprechen oder Texte von der Tafel abschreiben müssen.

 

Sonst kümmere ich mich an meinen freien Tagen morgens grundsätzlich um die Waisenkinder vom Extra Classes Programm. Da die Prioritäten der Erziehungsberechtigten (meist Tanten oder Großeltern) eher bei der Arbeit oder anderen Dingen als bei den Kindern liegen oder sie teilweise auch zu alt oder zu krank sind, um sich um die Kinder zu kümmern, liegen die Anwesenheit oder die Ergebnisse der Kinder in der Schule eher an letzterer Stelle. Deswegen übernehme ich diese Aufgabe. Obwohl ich bei dem einen Schüler sogar mal morgens vor der Haustür stand, weil er schon seit Tagen die Schule geschwänzt hatte, um ihn zur Schule zu bringen, freut er sich immer, wenn ich mich mal wieder bei den Lehrern nach ihm erkundige. Die Kinder scheinen ganz schön dankbar und auch stolz darauf zu sein, dass sich jemand um sie kümmert und ihnen auch Grenzen, zumindest bezüglich der Schule, setzt.

 

Die Arbeit mit den Kindern hier macht mir total Spaß und ich freue mich, dieses Jahr hier erleben zu dürfen. Ich habe so tolle Menschen kennengelernt, die ich jetzt schon vermisse, wenn ich daran denke, in einem halben Jahr gehen zu müssen. Aber da ich weiß, dass dann auch wieder neue Freiwillige kommen werden, die sich um meine Kinder hier kümmern, macht es mir den Gedanken einfacher, sie zurücklassen zu müssen.

 

Dieser Blogeintrag hat nun wirklich etwas länger gedauert, aber da ich so gut wie immer unterwegs bin, habe ich einfach nicht die Zeit gefunden, einen Text zu schreiben. Ich versuche, den nächsten Eintrag (wahrscheinlich über die Kultur hier) etwas schneller zu verfassen.

 

30Dezember
2016

Ni Ti Bureya – Frohe Weihnachten

 

„It's Christmas Time“ sagt man hier nun seit dem 25. Dezember. Diese Zeit dauert dann so lange an, bis Silvester beginnt.

Für den Anlass haben wir mit unseren Nursery-Kindern Weihnachtsmützen gebastelt.

Für den Anlass haben wir mit unseren Nursery-Kindern Weihnachtsmützen gebastelt.

 

Der Zeitraum, an dem Weihnachten in Ghana gefeiert wird, ist dem Tag in Deutschland gleich, auch wenn er um 24 Stunden nach hinten verschoben ist.

Die Kälte, die es zu Winter in Deutschland gibt, ist dann auch hier zu spüren. „Christmas-Time is winter“, sagt man hier. Wenn man aus dem kühlen Schnee kommt, mag man es nicht glauben, aber es ist teilweise echt kalt. Bei der Kälte handelt es sich zwar um 20-25 Grad, aber wir sind hier teilweise echt am Frieren, wenn nicht gerade die Mittagssonne scheint. Wir sind inzwischen wohl zu sehr an die Hitze gewöhnt.

Wenn ich den Leuten hier von Minustemperaturen und Schnee erzähle, sind die Reaktionen teilweise echt originell. „Ja, die Sonne scheint, wenn Winter ist und nein, es ist nicht den ganzen Tag dunkel“, habe ich schon zwei Mal geantwortet. Die Vorstellung, dass wir in Deutschland bei 0 Grad überleben, während hier bei 20 Grad schon Winterjacke und Mütze getragen wird, scheint wohl ziemlich weit weg.

Zum Glück reicht uns in Deutschland eine warme Winterjacke und wir müssen keinen heißen Whiskey trinken, um die Temperaturen zu überleben. Das wurde ich nämlich auch schon gefragt.

 

Abgesehen vom Zeitraum, dem Winter und der Tatsache, dass Weihnachten aus dem gleichen Grund gefeiert wird, habe ich das Weihnachtsfest hier komplett anders als in Deutschland erlebt.

 

Gefeiert haben wir nicht bei uns zuhause in Zebilla, sondern bei zwei weiteren Freiwilligen an dem anderen Ende von Ghana.

Hier war zu Weihnachten eine große christliche Veranstaltung, die vom 24.12. bis zum 25.12. andauerte. Die christliche Kirche hat vielen Teilen Ghanas einen ziemlich großen Einfluss und ist somit natürlich auch an Weihnachten vertreten. In Deutschland ist Heiligabend zwar auch der Tag, wo die Kirchen (zumindest in Osterode) das einzige Mal im Jahr komplett gefüllt sind, aber das kann man natürlich nicht mit den vollen Kirchen hier vergleichen.

Die sogenannte Power Convention startete um 5 Uhr morgens mit einem einstündigen Morgengebet und wurde dann von 8.00-14.00 Uhr mit Gebet, Gesang, Predigt und Bible Lesson (gleicht einer Diskussionsrunde über bestimmte Bibelstellen im kleinen Kreis) weitergeführt.

Der Abendgottesdienst sollte eigentlich von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr gefeiert werden, dauerte aber eher eins/zwei Stunden länger. Wie man hier lesen kann, war mein Weihnachten somit sehr kirchlich geprägt.

Ich habe eher das Gefühl, dass Weihnachten als Tag gar nicht so sehr wie bei uns gefeiert wird. Geschenke für alle seine Kinder zu besorgen ist den meisten Familien zu teuer, sodass der Brauch, Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen, wegfällt.

Während der Power Convention kam uns Freiwilligen somit kein Weihnachtsgefühl auf, da es dort eher um andere Bibelthemen als die Weihnachtsgeschichte ging.

Die Sage, dass die Christen an Weihnachten viel Essen kochen, um es an die Moslems zu verteilen, habe ich hier nicht erlebt. Vielleicht wird dies aber noch in unserem Heimatort Zebilla gebraucht, schließlich kam die Erzählung ja auch von dort.

Das Essen bekamen wir vier Freiwilligen dann am 26.12. von Dada, bzw. seinen Hausfrauen, gekocht. Dada ist der Gründer der Organisation in Ghana, er wohnt in der gleichen Stadt wie die anderen beiden Freiwilligen. Normalerweise essen viele Familien die vielen Gerichte auch am 25., meinte er, was wir aber wegen der Power Convention nicht durchführen konnten.

So kam es dazu, dass wir uns an einem Tisch wiederfanden, auf dem Nudeln, Reisbälle, verschiedene Soßen, Schafs- und Hühnchenfleisch lagen. Das Schaf hatten sie am Nachmittag noch frisch geschlachtet, sodass wir den Weg von dem Schaf, das zuerst mit einem Band an einen Pfahl gebunden war, bis es in den Kochtopf kam, mitverfolgen konnten. Für die meisten Familien ist es hier Sitte, zu besonderen Anlässen, das lebendige Tier selbst zu schlachten, um es dann gemeinsam essen zu können. Geschmeckt hat es auf jeden Fall.

Nachdem wir dann noch Obst und selbstgebackene Pfannkuchen bekamen, haben wir uns mit Stockbrot ans Lagerfeuer gesetzt, um mit einzelnen Familienmitgliedern über die kuriosesten Themen zu diskutieren.

Wir durften damit einen echt schönen Abend genießen.

 

Kurz und knapp würde ich sagen, dass die Zeit, die man in Deutschland fürs Geschenke auspacken benötigt, hier durch das Essen ersetzt wird. Aber gutes Essen ist ja schließlich auch ein Geschenk.

 

  

Auch meine Extra Classes Kinder wünschen euch mit dem Ballon- und Weihnachtsmützenbild sowie mit den Winterklamottenbildern frohe Weihnachten!

 

03Dezember
2016

DAS Tech FM – Tour mit dem Radio

 

„Ein großes Dankeschön an alle Unterstützer, die unseren ersten Geburtstag möglich gemacht haben. DAS Tech-FM, danke an alle!“

 

Das ist ungefähr die Übersetzung von dem Song mit dem wir in einem Bus von Stadt zu Stadt gefahren sind.

 

DAS Tech FM ist der Name des Radiosenders, der hier unter anderem in der Umgebung gespielt wird. David ist der Inhaber, vor einem Jahr hat er die Hauptstation privat in Zebilla aufgebaut. Sie besteht aus einem Studio, von dem live gesendet wird und einem kleinen Tonstudio, wo hin und wieder mal verschiedene Bands proben und neue Lieder aufgenommen werden.

Zum einjährigen Jubiläum wollte David sich bei seinen Hörern bedanken und am Abend in einer kleinen Show Spenden einsammeln.

 

Da es um acht losgehen sollte, haben wir so gegen 9.15 Uhr das Gelände verlassen, um uns auf den Weg zu machen. Karla und ich saßen zusammen mit dem Moderator und David in einem Auto. Hinten auf dem Anhänger tanzten einige zu der Musik, die lautstark aus den Boxen dröhnte.

In drei größeren Städten hielten wir dann an, um zu Fuß hinter dem Auto herzulaufen. Davon ist auch das Video in dem Link. (Man kann leider nur Videos von YouTube hochladen, deswegen mit dem Link) Da mein Handy jedoch wegen der Temperaturen hier wieder überhitzt war, ist es ziemlich stockig.

https://youtu.be/lEw1OiDlSSA

Die gute Laune ist auf jeden Fall sehr ansteckend, sodass die 8 Stunden, die wir unterwegs waren, wesentlich schneller verstrichen.

 

Um vier Uhr nachmittags sollten wir laut Plan eigentlich schon wieder in Zebilla sein, um dort das Radio vorzustellen. Von der Zeit ließ sich aber keiner beirren. Obwohl es schon kurz vor sechs war, als wir in Zebilla ankamen, liefen wir trotzdem nochmal durch die Stadt, um Werbung zu machen und uns bei den Hörern zu bedanken.

 

Die Hauptveranstaltung begann dann am Abend direkt bei der Radiostation.

Karla und ich sollten dort Chair Persons sein. Was das genau ist, haben wir auch nicht verstanden. Auf jeden Fall waren wir dadurch Ehrengäste, durften bei den höheren Leuten wie Bürgermeister oder Abgeordneter sitzen und mussten eine Willkommensrede halten.

Da sehr lange nach Spenden gefragt wurde und dann auch noch jeder Gast, der was gegeben hatte, extra geehrt wurde, waren die Liedvorführungen und Reden nur noch ein kleiner Teil des Programms. Somit dauerte das Programm ziemlich lange.

Der Höhepunkt war dann am Ende, als David seiner Freundin einen Heiratsantrag machte. Während sie mit der Band einen Song sang, wartete er auf Knien, um ihr den Ring anzustecken. Danach liefen die beiden Arm in Arm auf der Bühne im Kreis, gefolgt von der tanzenden Menschenmenge.

 

Danach wurde einfach die ganze Nacht durchgetanzt und naja ich habs zumindest versucht. :D Während in Deutschland zu solchen Veranstaltungen ein Bierwagen bestellt werden würde, wurden hier draußen Orangen verkauft.

 

Während des Tages hatte ich auf jeden Fall die Möglichkeit noch ein paar weitere Kontakte zu knüpfen, die mich auch immer grüßen wenn sie mich auf der Straße sehen, selbst wenn ich mich nicht mehr an sie erinnere.

 

 

 

 

05November
2016

Lesen Lernen

Wie versprochen noch ein Bild von den Extra Classes am Nachmittag. Da bei Schüleranzahlen von teilweise 80 Kindern pro Klasse, der Lehrstoff nicht an alle Kinder vermittelt wird, hängen manche Schüler noch sehr hinterher. Diesen Freitag habe ich mit einigen 3. und 4. Klässlern angefangen, einfache Worte wie sit, bit, fit oder sat, bat, fat zu lesen. Die Kinder waren ziemlich lernbegeistert, sodass sie in der einen Stunde schon ziemliche Fortschritte erreicht haben.

(Keine Angst, den Fehler im Alphabet haben wir später noch korrigiert)

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